Die Schattenseiten des Lebens

Dieser Moment. Du sitzt da, denkst an nichts Böses und auf einmal ist die Welt schwarz. Ein dunkler Schleier legt sich langsam nieder und trübt deinen Blick auf die eigentlich farbenprächtige Vielfalt des Lebens. Rot, gelb, grün, blau, lila, braun, wolframgoldbronze, einfach jegliche vorstellbare Farbe ist innerhalb eines winzigen Augenblicks aus dem Leben gerissen. Langsam, ohne eine konkrete Ahnung was geschehen ist, streicht ein kalter Hauch über deine Haut. Während sich sämtliche Haare deines Körpers aufstellen, fallen die Mundwinkel nach unten und dein Gesicht erblasst. „Wieso nur?“, geht es dir immer wieder durch den Kopf. Von Sekunde zu Sekunde werden deine Augen feuchter und feuchter. In schierer Verzweiflung, einer regelrechten Panikattacke, springst du plötzlich auf schreist es durch das gesamte Haus: „Wieso nur?“, es wird mit jedem Male lauter. „Wieso nur?“ „Wieso nur?“.

Stell dir das mal vor. Warum? Genauso beginnt die Begebenheit, wodurch in kürzester Zeit die halbe Stadt, in einer Welle aus Tränen überflutet wurde. Nur durch Mitgefühl zu dieser Erfahrung.

20 Minuten nachdem die Schreie anfingen…

Sirenen waren zu hören. Ein blaues Licht erleuchtete den Raum, in einem konstanten Wechsel zwischen stärkerer und schwächerer Beleuchtung. Ich schätze meinen Nachbarn als recht ehrlichen Menschen ein, daher befürchtete ich, dass er die Wahrheit sagte, nachdem er 10 Minuten gegen meine Tür hämmerte und sorgenerfüllt wissen wollte was los sei, bis er nach dem letzten Hämmern rief: „Ich hole jetzt die Polizei!“. So schnell kann es gehen, doch es interessierte mich nicht. 20 geschlagene Minuten ist die Welt schon schwarz gewesen, meine Kehle inzwischen etwas rau, meine Kleidung in Angstschweiß getränkt. Es hämmerte wieder. „Hallo? Polizei! Aufmachen.“, schallte es unter der Türe hindurch in meine Wohnung rein. Ich stand fassungslos da, starrete ins Nichts. Mein Gehirn sollte reagieren, sendete jedoch keine Signale an meinen Körper. Stille in meinem Kopf, hämmern an der Tür. So ging das einige Minuten, bis plötzlich neue Worte fielen: „Wenn sie jetzt nicht aufmachen, dann brechen wir die Türe auf.“ Die Stimme hatte einen tiefen und ehrfurchtgebietenden Klang. Sie ließ darauf schließen, dass der Mann hinter der Türe sehr kräftiger Statur sein musste. Es juckte mich aber nicht. Selbst eine Litfaßsäule wäre in meiner derzeitigen Verfassung agiler als ich gewesen, daher folgte das Unvermeindliche.

Ein lautes Krachen war zu hören. Die Tür sprang nicht nur auf, sondern wurde regelrecht rausgerissen. Samt des Rahmens flog sie in schallmauerdurchbrechendem Tempo um eine Haaresbreite an meiner Nasenspitze vorbei. Aufgrund der Wucht entstand ein sommerlich warmer Holzsplitterregen, der aus Westen in meine linken Körperregionen prasselte. Aus dem Augenwinkel sah ich den Mann auf mich zukommen, er sprach zu mir. Seine Lippen bewegten sich, doch die Worte kamen nicht an. Wie in Zeitlupe näherte er sich mir Schritt für Schritt und stellte sich dann aufrecht vor mich hin. KingKong-ähnliche Pranken griffen mich an den Schultern und schüttelten mich. Auf einmal hörte ich wieder seine Stimme: „….b sie mich hören können?“, wurde ich gefragt und ich nickte stumm. „Was ist passiert?“, fragte mich der Polizeibeamte und fügte hinzu: „Ihr Nachbar war besorgt um sie. Ist ihnen etwas zugestoßen?“. Erst jetzt bewegte ich mich wieder, um mich umzuschauen. Der Polizeibeamte vor mir sah ziemlich genervt aus. Ich sollte ihn nicht warten lassen, schaute aber erst zur Türe. Sagen wir eher, dem Durchgang in den Hausflur. Sämtliche Nachbarn standen zusammengedrückt im Flur und wurden, von einer Kollegin und einem Kollegen des Bären vor mir, zurückgehalten. Doch nicht nur die acht weiteren Parteien aus diesem Haus hatten sich versammelt um ihre neugierigen Gelüste zu befriedigen, nein, es hatte sich blitzartig in der ganzen Straße rumgesprochen. Mehr und mehr drängten sich auf, wodurch es unentwegt lauter wurde. Ich sah wie sie tuschelten, sich belustigten und hörte sogar inzwischen wie sie vor dem Haus im Vorgarten standen und redeten. Es wurden mehr und mehr. Reporter kamen dazu, Kamerateams, angelockt von der Neugier. Warteten wie Geier, um zu erfahren was ich verbrochen hatte. Was geschehen war. Sensationsgeil und ohne jegliche Skrupel. Ich wendete meinen leeren Blick wieder zum Bären und gab mit zittriger Stimme die auslösende Antwort:

„Netflix ist down.“

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s