Kapitel 1 – Der Prophet

Eine sanfte Stimme erklingt: „Tassana, Zeit zum Schlafen gehen.“

„Erzählst du mir noch eine Geschichte? Bitteeeee“ lächelt sie ihn mit ihren großen braunen Rehaugen an.

„Na gut, wie könnte ich da Nein sagen“ entgegnet er und schaut zärtlich zu ihr rüber. „Dann leg dich mal hin und lausche gut was ich dir erzähle.“

„Einst, viele viele Jahre ist es her, lange bevor du geboren warst, da war dies hier eine trostlose Einöde. Es war nicht so ein farbenprächtiger Wald wie er es jetzt ist. Blumen und andere Lebewesen gab es nicht. Ein Leben an diesem Ort war undenkbar. Wo man hinblickte waren Steine, Felsen und steile Klippen. Die wenigen Bäume die hier gewachsen waren, wuchsen von Anfang an vertrocknet und abgestorben auf. Man nannte es „Das Tal der verlorenen Seelen“, denn wenn der Wind durch die Steinformationen wehte, hörte man ein Singen. Es waren Klagelieder von den unzähligen Durchreisenden, welche hier schon ums Leben gekommen waren. Überlebt hat niemand dieser armen Seelen, bis auf einen Einzelnen Wanderer. Zumindest sagt man so.“

„Das kann ich nicht glauben.“, sagte Tassana. „Wie kann denn ein Einzelner überleben, aber all die Anderen nicht? Du erzählst mir wieder nur Märchen, Vater!“ Er räusperte sich, denn vom vielen erzählen und der harten Arbeit am Tag war seine Stimme ganz trocken. Doch er lächelte, denn er wusste um die Schläue seines Mädchen, und erwiderte:“Tassana, lass mich die Geschichte zu Ende erzählen. Vielleicht werden ja alle deine Fragen von selbst geklärt?“. Er knuffte sie in die Seite, während er sprach, doch er hatte wieder ihre volle Aufmerksamkeit. Und so sprach er weiter:

„Und nur ein Einzelner überlebte, so sagte man.“ Tassana verdrehte die Augen, doch lauschte gebannt. „Das Tal hatte etwas Magisches an sich. Denn obwohl es unentwegt regnete, war der Boden immer staubtrocken. Noch trockener sogar als Brot, welches du zu lange an der Luft stehen lässt. Der Regen war kein Leben spendendes Wasser, kein Geschenk des Himmels.“ Er macht eine Pause, um seine Worte wirken zu lassen und erzielte damit die erhoffte Wirkung. „Sprich weiter, Vater, was war an diesem Regen so besonders?“ fragte Tassana neugierig.

„Nun ja“, sagte er, „ dieser Regen entzog der Erde jegliche Kraft und Energie. Die Marktfrauen erzählten, die Regentropfen seien Tränen aus der Unterwelt, welche das Land verdammen sollten. Reisende hingegen behaupteten, dunkle Mächte hätten einen Zauber gewirkt, den sie nicht kontrollieren konnten und die Waschweiber am Brunnen wussten, dass es ein Zeichen für den Anfang vom Ende sei. Das Tal der verlorenen Seelen war so Sagenumwoben, dass es viele Reisende und Abenteurer anzog, aus der großen Stadt und der ganzen Welt, so schien es. Sie alle hofften auf ihrer Reise das Tal zu erreichen und heldenhaft von den erlebten Abenteuern berichten zu können. Alle jedoch irrten sich fürchterlich, und keiner wurde je wieder gesehen.“

Tassana machte große Augen. Er wusste, dass er seine hübsche Tochter in den Bann schlagen würde. Er rechnete jedoch nicht damit, dass sie während seines Sprechens immer näher zu ihm hin rutschte, sich an ihn kuschelte und mit leiser Stimme ängstlich sprach:“Das ist ja schrecklich.“, um sich gleich darauf zu fangen und mit selbstbewusster und kritischer Stimme zu ergänzen: „Wenn du mir wirklich kein Märchen erzählst ist das natürlich schrecklich. Aber was passierte dann?“

Er nahm Tassana in den Arm, küsste sie auf die Stirn und begann seine Geschichte weiter zu erzählen.

„Von allen Abenteurern und Wanderern war einer jedoch von ganz besonderer Erscheinung, denn er strotzte der bösen Magie und dem Verderben. Er ging nicht gebückt, sondern aufrecht und stolzen Schrittes. Er marschierte, bis er zur Mitte des Tals gelangte. Dort stand er und betrachtete die Umgebung, die ausgedorrten Sträucher, die toten Bäume, die schwarzen Steine und den trockenen Boden, während der magische Regen versuchte, ihm die Lebenskraft zu rauben.

Er holte unter seinem schweren, dunkelgrünen Umhang eine alte Tasche hervor und entnahm einen winzigen, weißen Edelstein, nicht größer als ein Knopf und nicht dicker als eine Bohne. Dieser Edelstein war anders als alle anderen auf der Welt. Er strahlte selbst an diesem düsteren, verlassenen Ort und war von seiner Form und Erscheinung reiner als jeder bekannte Edelstein. Der mysteriöse Fremde kniete sich hin und grub ein kleines Loch aus, dort legte er den Stein hinein und bedeckte ihn wieder mit der ausgedörrten Erde. Er bewegte seine Hände im Kreis um den Fleck Erde, in welcher nun der Edelstein lag, so als ob er die Luft streicheln würde. Dabei murmelte er wieder und wieder die Worte „Alh‘ak felár isômbris“. Nach fünf Wiederholungen änderte er die Bewegungen seiner Hand, es sah so aus, als ob er unsichtbare Fäden aus dem Boden ziehen würde. „Alh’ak felár tesêmbris“ murmelte er auch jetzt fünf Mal. Er nickte, schien zufrieden mit seiner Arbeit und stand auf. Ohne sich nochmals umzugucken zog er davon.“

Der Vater räusperte sich, das reden strengte seine Stimme an. Er nahm einen Schluck Wasser. „Was ist dann passiert Vater?“ fragte Tassana, die mit großen, neugierigen Augen zu ihm hoch sah. „Du darfst nicht aufhören zu erzählen, bis ich weiß, wie die Geschichte ausgeht, hörst du!“ Der Vater grinste. „Wie könnte ich es wagen diesem Wunsch zu widersprechen?“. Er nahm noch einen tiefen Schluck Wasser zu sich, räusperte sich und führte seine Geschichte fort.

„Nun, zwei Jahre vergingen, bis der mysteriöse Fremde für sich selbst befand, dass es an der Zeit war, sich jemandem zu offenbaren. Es war eine sternenklare Nacht und er war nicht weit entfernt vom Tal der verlassenen Seelen, höchstens drei Tagesmärsche. In der Nähe der Grenze im Westen zum dunklen Land, wo sich ein schmaler Fluss befand, gab es eine kleine friedliche Siedlung. Dort lebten die Bewohner, Tagein und Tagaus, in ihren Strohhütten und führten ein besinnliches Leben, fern jedem Trubel und den Sorgen der Menschen einer großen Stadt. Das Ziel des Fremden lag jedoch nicht in dem Dorf selbst, sondern galt einer verwahrlosten Hütte. Die Dorfbewohner mieden die Hütte, war sie doch am Rande des Waldes erbaut und zu Fuß nur schlecht zu erreichen. Aus dem Inneren flackerte der Schein einer Kerze. Der Fremde klopfte dreimal mit seinem knorrigen langen Stab an die Tür und wartete, bis sich jemand meldete. Die Tür wurde einen Spalt weit geöffnet. Ein misstrauisches paar Augen guckte heraus, beäugte den Fremden, und sprach in einem Ton, welcher bedrohlich klingen sollte, jedoch eher verunsichert wirkte: „Was wollt ihr zu solch später Stunde? Und wer seid ihr?“.

„Ich bin ein Reisender auf der Suche nach einer Möglichkeit zu rasten“ entgegnete der Fremde.

„Weiter den Weg hoch ist ein kleines Dorf, da wo ihr grade erst entlang gekommen seid. Dort wird man euch bestimmt einen Stall als Unterkunft bieten können. Mit etwas Glück öffnet der Wirt sein Gasthaus für euch

„Einen Stall brauche ich nicht, auch keinen Gastwirt mit seinem Haus. Ich benötige nur ein besinnliches Plätzchen zum Erholen und einen Zuhörer, der den Worten, die ich zu überbringen habe, würdig ist.“

Der Mann öffnete die Tür nun ein Stückchen weiter, zeigte mit seinen schwieligen Händen auf sein Heim und erwiderte: „Mein bescheidenes Heim ist verwittert und heruntergekommen und eine würdige Person bin ich wohl mit Sicherheit nicht.“ Wie um seine Worte zu unterstreichen wehte der Wind durch die undichten Fenster und ließ die Kerzenflamme aufflackern, so dass die wenigen Gegenstände im Zimmer bedrohliche Schatten warfen. Der Mann erschrak. Sah er eben noch unter der Kapuze das Gesicht eines Fremden, so glaubte er nun, den Umriss eines Schnabels zu erkennen. Der Schein des Lichts ist trügerisch, dachte er an die Worte seiner verstorbenen Großmutter, und blieb skeptisch. Der Fremde ließ sich jedoch nicht abbringen und stellte seinen Stab zwischen Tür und Angel, guckte den Hausbesitzer aus seinen grauen Augen an und sagte:

„Herr, ich weiß, ich bin ein Fremder für Euch, doch mein Herz lügt mit Gewissheit nicht. Das tat es noch nie! Glaubt mir, ich bin hier richtig.“

Einen kurzen Moment zögerte der Mann noch, bis er sich letzten Endes erbarmte und dem Fremden Einlass gewährte.“

„Vater, warum ließ der Mann den Fremden in seine Hütte?“ unterbrach Tassana ihren Vater. Sie schaute erstaunt hinauf. „Hatte er denn gar keine Angst?“ „Ein wenig Furcht hatte er schon, doch etwas berührte ihn in seinem Innersten und er spürte das von dem Fremden keine Gefahr drohte.“ gibt er Tassana zu verstehen.

„Jedenfalls betrat der Fremde das Haus.

‚Setzt euch, Herr. Ich habe nicht viel zu bieten, aber mögt ihr etwas essen? Ich habe noch einen vorzüglichen Eintopf übrig. Nun ja, eigentlich sind es nur Kartoffeln und Möhren, aber aus dem Wenigen was es hier gibt ist es so ziemlich das Beste.‘ Er zeigte auf den Kessel über dem offenen Feuer. Die Flammen waren schon fast zuneige gegangen.

Der Fremde nickte, stellte seinen knorrigen Stab an die Wand und nahm auf einem alten Stuhl Platz. ‚Ich danke euch, gerne nehme ich das Angebot an‘, erwiderte er.

Er schaute unter seiner tiefen Kapuze hervor und begutachtete den Mann, welcher ihm den Rücken zudrehte, während er damit beschäftigt war, den Eintopf in eine Suppenschüssel zu füllen. Er war noch sehr jung, grade erst dem Knabenalter entflohen, dafür aber so groß wie ein Schlachtross. Er hatte einen muskulösen Körperbau, was auf Grund der Feld- und Waldarbeit kaum verwunderlich war. Seine strohblonden Haare fielen bis zur Schulter, waren jedoch genauso verwildert wie das Flickendach seines Hauses. Trotz seiner Jugend zeigten sich in seinem Gesicht Furchen von Sorgen, wobei diese durch seine freundliche Ausstrahlung und die im Ansatz zu erkennenden Lachfalten wett gemacht wurden. Er strahlte eine Herzlichkeit und Wärme aus, die anderen Menschen Geborgenheit geben konnten.

Er drehte sich um und sah, dass der Fremde ihn beobachtete. Zaghaft reichte er eine Schale mit Eintopf und ein Glas Wasser dazu.

Er ließ den Reisenden ein wenig essen, bis ihn die Neugier überkam.

‚Erlaubt mir die Frage Fremder, doch wer seid ihr?‘

‚Wer ich bin spielt keine Rolle, ich bin nur der Auslöser, ein Überbringer, in gewisser Weise…‘, er nahm noch einen Bissen und kaute genüsslich, bevor er weitersprach: ‚…in gewisser Weise ein Prophet. Wenn ihr so wollt.‘

‚Ein Prophet‘ wiederholte der Mann ungläubig.

‚Nun, wisst ihr, ein jeder von uns wird geboren und ein jeder von uns geht einer Aufgabe nach bis es soweit ist, dass es Zeit wird zu gehen. Viele wählen ihre Aufgabe, viele wählen ihren Weg. Ich bekam meine Aufgabe zugewiesen und der Weg ist mir vorbestimmt. Ich folge nur den Zeichen.‘

Einen Moment lang schwiegen die beiden, bis der Mann sich zu Wort meldete: ‚Sagt, wieso tragt ihr noch immer diesen schweren Umhang mit dieser Kapuze. Was habt ihr zu verbergen? Ich sah euch bereits, als ihr in meiner Tür standet, und hier in meiner Stube ist es warm!‘

‚Zu verbergen habe ich nichts, mein Antlitz ist lediglich etwas anders als ihr es vielleicht gewohnt seid.‘ sprach der Prophet.

‚Zeigt euch mir. Ich gewährte euch Zutritt, ich gab euch Speis und Trank. Gerne möchte ich wissen wen ich beherberge.‘ Oder was ich beherberge, fiel dem Mann noch ein, als er an den Schnabel dachte, welchen er im Schatten des Lichts bei dem Fremden gesehen hatte.

Wie um die Gedanken zu unterstreichen nickte der Fremde, stellte ohne zu zögern die Schale auf den Tisch und zog seine tiefe Kapuze nach hinten.

Er hatte zwar Beine, Arme und Hände wie wir, doch sein Gesicht, welches zum Vorschein kam, glich dem einer Eule.“

Tassana guckte ihren Vater an. „Eine Eule? Wie kann so etwas sein? Und überhaupt, so etwas gibt es gar nicht. Du erzählst mir doch nur Unsinn“ sagte sie empört. „Und wenn ich dir sage, dass es auch keinen magischen Regen geben sollte? Und ich dir kein Märchen erzähle? Nur, weil du Dinge noch nicht gesehen hast, bedeutet es nicht, dass es diese Dinge nicht gibt, Tassana!“. Der Vater lächelte, denn er wusste, dass seine Tochter ihn Verstand. Er blickte nach draußen, es war sehr dunkel geworden, als ob die Dunkelheit auch das letzte bisschen Licht verschluckt hätte. Er sah in einem Baum zwei Augen aufleuchten, welche interessiert in Richtung des Hauses guckten. Sie sahen aus wie die einer Eule. Dies war sein Stichwort, mit der Geschichte fortzufahren.

„Ihr seht nicht erschrocken aus, oder gar verängstigt. Wie kommt das?“ fragte der Fremde, blickte aber dabei als wüsste er die Antwort auf die Frage schon.

„Ihr seid gewiss eine Gestalt welche ich nie zuvor sah. Ein Mensch mit dem Kopf einer Eule ist wahrlich neu für mich, doch ich fürchte Euch nicht. Im Gegenteil. Die Natur hat viele Wunder zu bieten und vieles liegt im Verborgenen. Sei es nur deswegen, weil man blind ist es zu erkennen, oder weil es verdeckt wird, wie zum Beispiel durch Kapuzen. Irgendetwas in mir sagt mir, ich habe nichts zu befürchten.“ entgegnete er mit einem warmen Lächeln.

„Ihr habt das Herzen am rechten Fleck, Heiseng.“

Heiseng erschrak. „Ihr kennt sogar meinen echten Namen? Nur den Wenigstens ist er bekannt und jedem von Ihnen vertraue ich aus ganzem Herzen. Ihr seid erstaunlich. Sagt, was für Worte wolltet ihr überbringen an den Mann, dessen Name ihr bereits kanntet und der es angeblich würdig ist, sie zu hören?“ fragte Heiseng, inzwischen sichtlich interessiert an der Unterhaltung.

Der Prophet stand auf und ging zum Fenster. Er starrte in die Nacht. Man sah noch einige Lichter in der Ferne. Das Dorf war noch wach, und doch schlafend, denn niemand von Ihnen vernahm die folgenden Worte:

„Einst wird im Nichts Alles sein,

auf finsteren Tod folgt buntes Leben.

Erblühen wird was einst nur war Stein,

wo verlassen die Welt, wird sich Hoffnung erheben.

Die Knospe als Wiege, der Anfang des Seins.

Die Geburt des Lebens durch des sechsten Steins.“

So sprach der Prophet die Worte in den Raum hinein, doch Heiseng verstand nicht. „Was hat das zu bedeuten?“

Der Fremde kehrte vom Fenster zurück, setzte sich zu Heiseng an den Tisch, trank etwas von seinem Wasser und fuhr fort: „Heute vor genau zwei Jahren, leitete ich die Prophezeiung ein. Haltet Ausschau nach dem Zeichen. Ihr werdet es verstehen, wenn es soweit ist. Habt Geduld, doch wenn ihr es seht, dann kümmert euch, schützt es. Ihr habt ein reines Herz, ich weiß, ihr werdet euch dem annehmen.“ Der Prophet setzte seine Kapuze wieder auf. „Es wird Zeit für mich zu gehen“ sagte er und nahm seinen Stab in die Hand. „Habt Dank für das Essen“ fügte er hinzu und ging dabei vor die Tür.

Heiseng war verwirrt, stand auf und folgte dem Fremden. „Wartet, ich verstehe nicht, was bedeutet das alles?“ fragte er und stellte sich zu dem Propheten vor sein heruntergekommenes Haus.

„Ihr werdet verstehen, gebt auf euch Acht, gebt Acht auf das was kommt und behaltet es für euch.“

Während er den Satz sprach, streckte der Prophet seine Arme weit von sich. Mit einem leichten Windzug, welcher aus allen Richtung gleichzeitig zu kommen schien, legte sich der Umhang des Fremden um seine Arme. Aus dem Mantel wuchsen Federn, und ehe sich Heiseng versah schmückte ein Federnkleid den Propheten. Dieser schwang sich kraftvoll in die Lüfte und verschwand in die Nacht, ohne sich nochmal nach Heiseng umzusehen. Dieser stand irritiert vor seiner Hütte. Er starrte weiter in die Nacht, jedoch ohne noch etwas Weiteres zu sehen. Er ging zurück in die Hütte, setzte sich an seinen Tisch und war froh dort eine zweite Schüssel und ein Glas Wasser zu sehen. Denn so musste er sich nicht kneifen um zu verstehen, dass er nicht geträumt hatte. Er räumte das dreckige Geschirr weg und wusch sich das Gesicht, um anschließend erschöpft von dem langen Tag und dem eigenartigen Besuch ins Bett zu fallen. „…die Geburt des Lebens durch des sechsten Steins“ flüsterte er in die Nacht. Die Worte hallten noch lange im Zimmer nach, als Heiseng schon längst eingeschlafen war.

Tassana starrte ihren Vater mit großen Augen an. „Vater, du kannst jetzt nicht aufhören zu erzählen. Ich bin noch hellwach, und deine Geschichte ist so spannend. Ich möchte wissen, was mit der Prophezeiung passiert und mit Heiseng und der Eule und dem Tal und…“ zählte Tassana auf, schaffte es trotz ihrer Aussage, sie sei hellwach, jedoch nicht ein langgezogenes Gähnen zu unterdrücken. „Tassana mein liebes, du wirst noch früh genug erfahren, wie es weitergeht. Doch ich brauche dazu aufmerksame und wache Zuhörer-Ohren. Deshalb gehst du jetzt schlafen, und wenn die Zeit gekommen ist, erzähle ich dir, wie die Geschichte weitergeht“. Er küsste sie wieder auf die Stirn und stand auf. Tassana legte sich unter ihre Decke und schloss die Augen. Sie war sofort eingeschlafen und merkte weder, wie ihr Vater später nach ihr sah, noch wie die Eulenaugen draußen im Wald ihre Blicke weiter auf das Haus richteten, anstatt auf die nächtliche Jagd zu gehen.

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Die Schattenseiten des Lebens

Dieser Moment. Du sitzt da, denkst an nichts Böses und auf einmal ist die Welt schwarz. Ein dunkler Schleier legt sich langsam nieder und trübt deinen Blick auf die eigentlich farbenprächtige Vielfalt des Lebens. Rot, gelb, grün, blau, lila, braun, wolframgoldbronze, einfach jegliche vorstellbare Farbe ist innerhalb eines winzigen Augenblicks aus dem Leben gerissen. Langsam, ohne eine konkrete Ahnung was geschehen ist, streicht ein kalter Hauch über deine Haut. Während sich sämtliche Haare deines Körpers aufstellen, fallen die Mundwinkel nach unten und dein Gesicht erblasst. „Wieso nur?“, geht es dir immer wieder durch den Kopf. Von Sekunde zu Sekunde werden deine Augen feuchter und feuchter. In schierer Verzweiflung, einer regelrechten Panikattacke, springst du plötzlich auf schreist es durch das gesamte Haus: „Wieso nur?“, es wird mit jedem Male lauter. „Wieso nur?“ „Wieso nur?“.

Stell dir das mal vor. Warum? Genauso beginnt die Begebenheit, wodurch in kürzester Zeit die halbe Stadt, in einer Welle aus Tränen überflutet wurde. Nur durch Mitgefühl zu dieser Erfahrung.

20 Minuten nachdem die Schreie anfingen…

Sirenen waren zu hören. Ein blaues Licht erleuchtete den Raum, in einem konstanten Wechsel zwischen stärkerer und schwächerer Beleuchtung. Ich schätze meinen Nachbarn als recht ehrlichen Menschen ein, daher befürchtete ich, dass er die Wahrheit sagte, nachdem er 10 Minuten gegen meine Tür hämmerte und sorgenerfüllt wissen wollte was los sei, bis er nach dem letzten Hämmern rief: „Ich hole jetzt die Polizei!“. So schnell kann es gehen, doch es interessierte mich nicht. 20 geschlagene Minuten ist die Welt schon schwarz gewesen, meine Kehle inzwischen etwas rau, meine Kleidung in Angstschweiß getränkt. Es hämmerte wieder. „Hallo? Polizei! Aufmachen.“, schallte es unter der Türe hindurch in meine Wohnung rein. Ich stand fassungslos da, starrete ins Nichts. Mein Gehirn sollte reagieren, sendete jedoch keine Signale an meinen Körper. Stille in meinem Kopf, hämmern an der Tür. So ging das einige Minuten, bis plötzlich neue Worte fielen: „Wenn sie jetzt nicht aufmachen, dann brechen wir die Türe auf.“ Die Stimme hatte einen tiefen und ehrfurchtgebietenden Klang. Sie ließ darauf schließen, dass der Mann hinter der Türe sehr kräftiger Statur sein musste. Es juckte mich aber nicht. Selbst eine Litfaßsäule wäre in meiner derzeitigen Verfassung agiler als ich gewesen, daher folgte das Unvermeindliche.

Ein lautes Krachen war zu hören. Die Tür sprang nicht nur auf, sondern wurde regelrecht rausgerissen. Samt des Rahmens flog sie in schallmauerdurchbrechendem Tempo um eine Haaresbreite an meiner Nasenspitze vorbei. Aufgrund der Wucht entstand ein sommerlich warmer Holzsplitterregen, der aus Westen in meine linken Körperregionen prasselte. Aus dem Augenwinkel sah ich den Mann auf mich zukommen, er sprach zu mir. Seine Lippen bewegten sich, doch die Worte kamen nicht an. Wie in Zeitlupe näherte er sich mir Schritt für Schritt und stellte sich dann aufrecht vor mich hin. KingKong-ähnliche Pranken griffen mich an den Schultern und schüttelten mich. Auf einmal hörte ich wieder seine Stimme: „….b sie mich hören können?“, wurde ich gefragt und ich nickte stumm. „Was ist passiert?“, fragte mich der Polizeibeamte und fügte hinzu: „Ihr Nachbar war besorgt um sie. Ist ihnen etwas zugestoßen?“. Erst jetzt bewegte ich mich wieder, um mich umzuschauen. Der Polizeibeamte vor mir sah ziemlich genervt aus. Ich sollte ihn nicht warten lassen, schaute aber erst zur Türe. Sagen wir eher, dem Durchgang in den Hausflur. Sämtliche Nachbarn standen zusammengedrückt im Flur und wurden, von einer Kollegin und einem Kollegen des Bären vor mir, zurückgehalten. Doch nicht nur die acht weiteren Parteien aus diesem Haus hatten sich versammelt um ihre neugierigen Gelüste zu befriedigen, nein, es hatte sich blitzartig in der ganzen Straße rumgesprochen. Mehr und mehr drängten sich auf, wodurch es unentwegt lauter wurde. Ich sah wie sie tuschelten, sich belustigten und hörte sogar inzwischen wie sie vor dem Haus im Vorgarten standen und redeten. Es wurden mehr und mehr. Reporter kamen dazu, Kamerateams, angelockt von der Neugier. Warteten wie Geier, um zu erfahren was ich verbrochen hatte. Was geschehen war. Sensationsgeil und ohne jegliche Skrupel. Ich wendete meinen leeren Blick wieder zum Bären und gab mit zittriger Stimme die auslösende Antwort:

„Netflix ist down.“

 

Neuauflage: Jedem das Seine 2016

Nach längerer Zeit melde ich mich wieder zu Wort…

„Gerade die 30 überlegt und schon will er mitreden, jaja“

JA! Denn es ist ein Thema das alle betrifft – und selber treffen kann.

 

Harte Fakten:

  • Alle Ausländer stinken. Fakt!
  • Alle Flüchtlinge stinken noch viel mehr. Fakt!
  • Alle Ausländer sind schlecht. Fakt!
  • Alle Flüchtlinge sind noch viel schlechter. Fakt!
  • Alle Ausländer sind kriminell. Fakt!
  • Alle Flüchtlinge sind noch viel krimineller. Fakt!
  • Alle Araber mit Bart sind Terroristen. Fakt!
  • Alle Deutschen sind etwas besonderes. Fakt!
  • Alle Deutschen sind fürsorglich, hilfsbereit und wohlriechend. Fakt!
  • Alle Rechtsradikalen sind die besten Menschen der Welt. Fakt!

Das sind unwiderlegbare Fakten aus einer fernen Welt, in der…

  • …Schweine fliegen!
  • …Schnee in der Hölle fällt!
  • …Weltfrieden herrscht!

 

Reale Fakten:

  • Nicht alle Ausländer sind schlecht, kriminell oder stinkend. Es sind auch nicht alle Araber mit Bart automatisch Terroristen. Genauso wenig riechen alle Deutschen gut oder sind durchweg fürsorglich und hilfsbereit. Deutsche sind auch nicht generell gut oder schlecht. So ist es mit jedem einzelnen Menschen auf diesem Planeten. Es gibt IN und AUS jedem Land Idioten, die sich an den Qualen anderer erfreuen. Hasserfüllte, minderbemittelte Leute, die sich am Leid anderer ergötzen. Asoziale Vollpfosten, welche anderen Kummer und Leid bereiten und überzeugt sind, dass es ihr gutes Recht ist. Sie stehen schließlich, jeder für sich, für die jeweilige Sache ein.

Es gibt so viel mehr gutmütige Menschen. Liebevolle Erdlinge, welche genauso entsetzt sind über die Nachrichten, welche beinahe tagtäglich diese Welt erschüttern. Ich bin ein Gegner davon, wenn man wegen eines schlechten Menschen alle anderen dafür mit in die Verantwortung zieht. Schublade auf, reinstopfen, wer passt, Schublade zu. Ich finde, das darf nicht sein. Ausnahmen bestätigen die Regel!

Ausnahme:

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Müdelfinger

10:07 Uhr. Ein fahler Gesichtsausdruck und mangelnde Körperspannung zieren das Antlitz meiner menschlichen Erscheinungsform, während ich beinahe komatös auf den Bildschirm starre und die Finger über die Tastatur gleiten lasse. Ein phlegmatisches Faultier erscheint, im Gegensatz zu mir, wie eine unkontrollierbare Bande von Schimpansen beim großen Bananenschlussverkauf. Ich schlafe gern, brauche normalerweise wenigstens meine sieben Stunden, damit ich einigermaßen brauchbar bin. Heute jedoch musste ich mal eine Ausnahme machen. Gegen 01:00 Uhr morgens bin ich zuhause angekommen. Eine Tasse Glühwein aufgewärmt, schnell Facebook gecheckt, WhatsApp, kurz mit der rastlosen Mutter telefoniert, eine schnelle Runde HotS gespielt und schon ist es 03:00 Uhr. Fertig machen. Wecker auf 08:00 Uhr stellen. Schlafen gehen.

08:00 Uhr. Es lebe die Revolution. In einer Welt, in der scheinbar jeder macht was er will, gehe ich aufs Ganze und stehe bereits nach fünf mickrigen Stunden Schlaf auf. Sind das die ersten Nebenwirkungen des Alters? Mit weniger Schlaf auskommen? Ich möchte das nicht und werde das nicht tolerieren! Mein Schlaf ist mein Luxus und während meine zerknitterte Visage um mehr Erholung bettelt, zwinge ich mich aufzustehen, die Kaffeemaschine zu starten und mich fertigzumachen. Schnell noch die Wohnung gewischt und dann warten. Sehr richtig. Ich stehe nicht ohne Grund viel zu früh auf, wenn ich eigentlich noch schlafen kann. Was bewegt mich also dazu, mich selbst zu quälen? Ein Verkauf über E-Bay, an einen Selbstabholer, verabredet gegen 08:45 Uhr – 09:00 Uhr.

08:45 Uhr. Die um kurz nach Acht gefertigte Kanne, mit dem magischen Elixier der Erweckung, ist bereits zur Hälfte leer. Menschliche Hülle müde. Menschliche Hülle will schlafen. Gezwungen durch die Müdigkeit, halte ich einen Mittelfinger in die Luft, einen Müdelfinger, einfach in der Hoffnung, dass ihn irgendjemand spürt. Mir ganz egal wer. Hast Du ihn vielleicht bekommen? Ich kann da nichts für. Das ist Müdigkeits-Tourette Du verdammter Frühaufsteher.

09:00 Uhr. Keine Spur vom angekündigten Käufer. Ich frage vorsichtig bei WhatsApp nach und warte auf die Antwort. In der Zwischenzeit…Mittelfinger und Kaffee!!!!!

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09:15 Uhr. Keine Antwort. Wird schon. Ich mache mir Frühstück, doch die Freude darüber hält sich in Grenzen, denn eine Kanne Kaffee, in einer Stunde, auf leeren Magen, sorgt für ein flaues Gefühl.

09:40 Uhr. Das Frühstück hat Besserung gebracht. Ich setze neuen Kaffee auf und schicke danach drei weitere Fragezeichen an den Käufer. Ich schalte den Fernseher an, zappe durch, schalte ihn aus. In diesen zwei Minuten haben RTL & Co wohl 30 % meiner verbliebenen Gehirnzellen massakriert. Ich setze mich an den PC, starre den Bildschirm an.

09:50 Uhr. Die Maschine gluckert. Das wurde auch Zeit. Hier noch ein Mittelfinger.

10:03 Uhr. Das Handy leuchtet auf. Der Interessent hat die Nacht kaum geschlafen und den Wecker nicht gehört. Interessant. Er fragt, ob wir die Abholung verschieben können. Klar mein Freund, kein Problem. Dieser Mittelfinger ist adressiert. Verständnis habe ich trotzdem für ihn, es geht hier schließlich ums Schlafen und das mit dem Wecker nicht hören…. Nun ja, sagen wir, es ist mir nicht unbekannt das Problem.

10:07 Uhr. Ein fahler Gesichtsausdruck und mangelnde Körperspannung zieren das Antlitz meiner menschlichen Erscheinungsform, während ich beinahe komatös auf den Bildschirm starre und die Finger über die Tastatur gleiten lasse. Ein phlegmatisches Faultier erscheint, im Gegensatz zu mir, wie eine unkontrollierbare Bande von Schimpansen beim großen Bananenschlussverkauf.

 

 

 

Abschied nehmen…Lebt wohl.

Ich bin sehr betrübt. Gerade erst habe ich es für mich entdeckt, mich öffentlich mitzuteilen und schon ist es wieder vorüber. Der Countdown wurde bereits eingeläutet, das Testament wurde aufgesetzt. Die Dreißig steht unmittelbar bevor und von überallher hört man diese gruseligen Alten sagen, dass es damit vorbei ist. Schluss. Genau dieser Tag ist der Anfang vom Ende. Ich fühle es auch schon in mir hochsteigen, vielleicht liegt das aber auch nur an meinen Kochkünsten. Wer weiß? Heute noch fühle ich mich pudelwohl, lache über diese ganzen Spinner und dann in wenigen Tagen, ZACK, mitten in die Fresse. Schluss mit lustig. Der Sensenmann hat mich mit in den Fokus genommen. Vielleicht ist es bei mir auch noch viel schlimmer, es heißt doch schließlich, die Besten sterben jung.

Wie eine überreife Tomate muss ich wohl ausharren, bis mich das Schicksal zurechtweist. Endlos viele Stunden, bis sich die Wahrheit offenbart. Haben diese ganzen Fanatiker mit Falten und grauem Haar recht? Ich meine, ich habe selbst schon Falten und graue Haare bei mir entdeckt, aber jetzt sind da Falten und graue Haare. Versteht ihr? Vielleicht spielt das Ganze in Kürze schon eine ganz neue und bedeutsame Rolle, einfach weil es keinen Sinn ergibt. Ist es wirklich ein ganz natürlicher Alterungsprozess oder haben da die Aliens ihre Finger im Spiel? Die Regierung? Ist es ein biologischer Code, der allen Neugeborenen verpasst wird? Nur Scully und Mulder hätten das aufklären können, aber auch die sind inzwischen alt und faltig und mit ihrem „Comeback“ nur noch Witzfiguren. Danke Merkel!

Moment mal. Was ist das für ein Gefühl? Schnell mal googlen. Ach herrje, „kurz vor der dreißig“ mit „fühle mich merkwürdig“, ergibt eine tödliche Kombination. Zwischen den Zeilen gelesen und minimal überdramatisiert, ist der letzte Zug für mich auf dem Weg. Die Fahrt ins Ungewisse. Es bleibt wohl noch abzuwarten, doch die Zeichen stehen in einem ungünstigen Stern. Für den Fall der Fälle, ich wünsche euch vorsichtshalber ein gutes und glückliches Leben, bis es euch dahinrafft. Es hat mich gefreut euch kennengelernt zu haben. Jeden Einzelnen, der meinen Weg geprägt hat. Es war ein gutes Leben.

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Also dann, sollten dies meine letzten Worte sein, bevor mich der Wahnsinn der Zeit einfängt, so möchte ich euch Folgendes mitgeben:

Der Film Avatar wurde zu sehr gehyped und ist Schrott!

SO!

Das musste jetzt aber mal gesagt werden.

Ansonsten… bis die Tage.

„Willst Du nicht mehr?“

Geld. Wer mich kennt, weiß, dass meine finanzielle Situation sehr bescheiden ist. Nett formuliert. Wenn ich zur Mitte des Monats anfange und die Cents umdrehe, mir überlege, ob ich Brot zur im Wasser aufgelösten Brausetablette esse oder Nudeln, dann ist das ein Zustand, welcher für viele befremdlich ist. Mit Geld umgehen konnte ich noch nie. Ich hatte noch nie einen vernünftigen Bezug dazu, habe mir aber jahrelang eingeredet, dass ich viel Geld brauche, um ein anerkannter Teil der Gesellschaft zu sein. Mit dieser Einstellung, die ich mir selbst angeeignet habe, durch die Erwartungshaltung anderer, zog ich also in das Berufsleben und riss mir den Arsch auf. Ich verdiente im Vergleich zu anderen gut, machte aber im Vergleich zu anderen auch deutlich mehr. Ich wollte aber noch mehr, nichts war genug. Da ich zu der Zeit aber dank etlicher Jugendsünden schon mit Schulden bedeckt gewesen bin, investierte ich alles überschüssige Geld in die Abzahlung. Ich lebte schon dort am Limit, wenn auch mit deutlich mehr Luxus als heute. Warum? Nun ja, während ich immer mehr Zeit in die Arbeit investierte und in den Nebenjob und möglichst noch andere Projekte startete, um etwas Geld dazuzuverdienen, verlor ich immer mehr den Bezug zum Leben. Ich vernachlässigte Freundschaften, neue Kontakte knüpfte ich nicht. Wie auch? Die Menschen die ich kennenlernte waren Arbeitskollegen und Mitarbeiter, für welche ich stellenweise die Verantwortung trug und mit eben diesen Mitarbeitern hält man kein freundschaftliches Verhältnis. Alles für die Firma. Mein Leben für die Firma. Mein Leben fürn Arsch. Welches Leben?

Zu der Zeit war ich nicht glücklich. Ich erreichte meine Ziele. Ich stieg auf, ich verdiente mehr, ich hatte ein gutes Leben – in der Theorie. Ausgefüllt hat es mich nie so richtig. Irgendetwas hat immer in mir rebelliert und da ich selbst nicht wusste wer genau ich war und wo ich hingehörte, redete ich mir ein, dass ich noch mehr leisten muss. Mitmenschen halten einem schließlich vor, dass man eine tolle Wohnung haben muss, ein Auto, man muss Urlaub machen, man muss so viel Erspartes haben, Altersvorsorge und, und, und. So führt man ein gutes Leben. Aha.

Es kam, wie es kommen musste und meine Grenze wurde erreicht. Ein Zusammenbruch, welchen ich mein Lebtag nicht vergessen werde. Eine Wende in meinem Leben, eine Situation, welche mich zwar für den Anfang in ein scheinbar bodenloses Loch katapultiert hat, mir im Nachhinein aber ein vollkommen neues Leben schenkte.

Ich bin kurz vor der „Drei Punkt Null“, nun ist alles vorbei. Zumindest wenn ich den Personen glauben darf, die mir auch immer wieder geraten haben viel Geld sei wichtig. Doch für mich fängt das Leben gerade erst wieder an. Ich arbeitete an mir. Ich überlegte, was für mich wichtig ist. Wie kann ich für mich glücklich werden? Was möchte ich? Es verging viel Zeit, doch in dieser fand ich viel für mich heraus. Ich wechselte das Berufsfeld und nahm sehr gravierende finanzielle Verluste in Kauf.  Ja, selbstverständlich träume auch ich davon öfter mal in den Urlaub zu fliegen. Ja, ich würde mir gerne mal ohne Bedenken den Kleiderschrank auffüllen und im Kühlschrank ein Markenprodukt vorfinden, ohne mir zu denken, dass ich es auch geschmackloser und für einen Euro weniger hätte holen können. Doch all das hatte ich ja schon und all das hat mir nicht die Zufriedenheit gegeben. Ich möchte einfach Leben. Nun habe ich mich abgefunden mit der Situation. Selbstverständlich gibt es Tage, da klage ich darüber. Wenn ich dann jedoch zurückdenke, wird mir schnell wieder bewusst, dass ich alles habe, was ich tatsächlich brauche und bin zufrieden.

Zugegeben, es ist nicht immer leicht und es kann zermürbend sein. Wenn der Freundeskreis feiern geht und man sich zurückhält, wenn man eine Kleinigkeit zum Geburtstag plant und dort mit minimalstem Einsatz nur eine Beteiligung gewährleisten kann, wenn man selbst bei einem Kinobesuch dankend ablehnt, dann ist das ärgerlich. Doch wenn man die richtigen Mitmenschen im Leben hat, überhaupt nicht schlimm. Wenn man akzeptiert wird, dafür, dass man ist, wie man ist, ist das Letzte was man braucht um glücklich zu sein viel Geld.

Es kommt nicht selten vor, dass Menschen von meiner Situation hören und fragen, ob ich denn tatsächlich zufrieden bin und das es doch kein Leben sei. Erst heute im Bus von einem alten Klassenkamerade, weswegen ich mich kurzerhand für diesen Beitrag entschied. Für mich ist genau das das Leben. Es ist mein Leben. Ich brauche weder die teuersten Markenprodukte, noch brauche ich die neuesten Geräte. Sätze wie: „Ich habe das neueste iPhone“, sind für viele mit Sicherheit ein Gefühl der Glückseligkeit, mir gibt es das nicht. Lass uns irgendwo im Park auf ne Bank setzen und ein Bierchen trinken, einfach etwas rumhängen und Musik hören, quatschen, den Moment genießen …. Das ist mein Weg. Ich setze mich für zwei Stunden mit einem Kännchen Kaffee in die Stadt, beobachte, lausche, schreibe Geschichten und erlebte Dinge auf.

Jeden Tag erfreue ich mich an den Kleinigkeiten im Leben. Sei es zu sehen, dass sich ein ausländischer mit einem deutschen Mitbürger gut versteht, dass man gemeinsam etwas Zeit verbringt, erzählt, Spaß hat, raus geht, das Leben genießt, das hier und jetzt erlebt, das hier und jetzt LEBT!

Die sorgenfreiste Zeit war die als Kind. Als Kind geht man raus, läuft durch den Wald, ist glücklich irgendwo mit einem Kumpel und einem Trinkpäckchen abzuhängen und den Moment zu genießen. Ist man dann erwachsen, holen einen die Sorgen des Lebens ein und diese beginnen so häufig beim Geld. Ich habe für mich mein Kind in mir wiedergefunden. Heute stehe ich auf, starte in den Tag und lasse ihn auf mich zukommen. Ich nehme ihn so, wie er ist. Ich kann nicht viel an der Situation ändern. Nein, falsch. Ich könnte alles wieder verändern. Zurück in den gelernten Beruf und wieder nach oben arbeiten – Bück Dich hoch! …. Nein Danke. Von daher, ich MÖCHTE nicht viel ändern, da ich genau das habe, was ich brauche. Menschen, die ich liebe und um die ich mir Sorgen mache. Menschen, die mich lieben und die sich um mich sorgen. Ich bin gesund, ich habe genug Gründe zu lachen und genug Gründe zu weinen. Die Gründe zu weinen sind meist die Fälle der Menschheit, denen es so schlecht geht und denen so viel Leid widerfahren ist, dass sie auf der Straße leben. Das sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um in ein Land zu kommen, in denen sie auf etwas Frieden hoffen und dort nur mit Verachtung und Gleichgültigkeit konfrontiert werden. Die Fälle, in denen Hass, Angst und Gewalt das Wohlergehen so vieler Menschen bedroht, täglich. DAS sind Sorgen und Probleme und doch sieht man so viele von ihnen noch lächeln. Sie haben sich mit ihrer Situation abgefunden und sind einfach glücklich am Leben zu sein. Sie sind glücklich, sich selbst zu haben. Hier und jetzt.

Ich werde mit Sicherheit kein Öko-Hippie, ich sage auch nicht, dass Armut voll toll ist, oder das Materielle Güter schlecht sind, aber ich bin der festen Überzeugung, dass die heutige Gesellschaft in vielerlei Hinsicht geschädigt ist. Das Ganze ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung. Ich sage auch nicht, dass ich einen Lottogewinn ablehnen würde oder das Geld generell schlecht ist. Im Gegenteil. Jeder sollte einer Arbeit nachgehen, so, dass er für sich genug zum Leben hat und wenn es nicht reicht, muss man lernen die Bedürfnisse anzupassen. Ich sage lediglich das mir meine Freizeit und die Möglichkeit das Leben zu genießen deutlich wichtiger geworden sind, als einen gut bezahlten Job zu haben, in den ich eben die Zeit stecke, die so oder so viel zu kurz ist. MEINE Lebenszeit.

Unsere Gesellschaft ist krank. Profit ist das höchste Gut. Ich finde: DAS ist echt ARM!

Von daher. Wenn mich jemand fragt: „Willst Du nicht mehr?“, dann kann ich nur sagen, dass ich bereits so viel mehr habe. Für mich persönlich ist es das Zwischenmenschliche, nicht das Materielle, was zu einem schönen Leben führt. Auch werde ich weiterhin Obdachlosen, Musikern und Bedürftigen mein letztes Geld geben, weil es sich für mich gut anfühlt. Und wie man am Foto sieht, alle paar Monate entrümpel ich meine Abstellkammer und bringe weg, was sich so angesammelt hat. Davon gibt es dann mal etwas „Luxus“. 🙂

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Ich wünsche jedem Einzelnen, dass er für sich seinen Weg findet. Das jeder für sich feststellt, was ihn glücklich macht und dann diesen Weg geht. Was andere dazu sagen, ist doch ganz egal. Egal was Du machst, egal wie sehr Du Dich bemühst, am Ende zählt nur, dass Du glücklich und zufrieden bist.

 

Kurz und knapp:

Lieber Weasley als Malfoy

Autsch – Das Telefonkabelkaugummi

13:49 Uhr. Ich sitze im Zug in Richtung Düsseldorf. Die Pflicht ruft. Auf einmal ist da etwas. Das Handy vibriert in meiner rechten Manteltasche. Ich glaube, es möchte mir etwas mitteilen und so greife ich zum aufmerksamkeitsbedürftigen Smartphone. Fröhlich blinkt es mich mit seinem blauen LED Knopfauge an, als ich es aus der Tasche hole. Nachdem ich ihm gezeigt habe, dass ich kein Dieb oder Gestaltwandler bin, indem ich ihm den richtigen Geheimcode verraten habe, hat es mir auch direkt alle wichtigen Neuigkeiten verraten. So erzählte es mir unter anderem davon, dass es eine Sprachnachricht über WhatsApp für mich empfangen hat. Verrückt.

Prompt stelle ich den Lautsprecher leiser, ich sitze schließlich im Zug, starte daraufhin die Sprachnachricht und lausche den Worten einer befreundeten Arbeitskollegin.

„Peter? Kannst Du vielleicht beim DM Kaugummis für mich mitbringen? Diese kleinen Telefonkabelkaugummis? Sie sind…Also das wär‘ mega nett. Ich hab meine Kaugummis vergessen und brauch eins.“

Das >>für mich<< hat sie leicht schnachend² ausgesprochen.

Jedenfalls, ich höre die Sprachnachricht ab und denke ich habe mich verhört, also starte ich die Sprachnachricht erneut. Wieder. Telefonkabelkaugummis. Ich höre sie ein drittes mal, diesmal allerdings, trotz des Aufenthaltes im Zug, etwas lauter. Telefonkabelkaugummis. Was soll das sein? An dieser Stelle fühle ich mich verarscht. Um sicherzugehen, frage ich extra SCHREIBEND:“Telefonkabelkaummi?“. Des Weiteren füge ich hinzu: „Ist ein DM am HBF der die hat, oder verarscht Du mich gerade?“, gefolgt von einem lachenden Smiley mit Tränen in den Augen.

Antwort 1: „Ja, da gibt es einen“, gefolgt vom selben lachenden Smiley mit den Tränen in den Augen. Antwort 2: „Verarsche Dich nicht.“, wieder der nun bekannte Smiley. Keine guten Antworten, um mich davon zu überzeugen, dass sie es ernst meint.

Ich sichere ihr zu mein Bestes zu geben und schreibe das ich davon zwar noch nie gehört habe, aber wenn sie so etwas gerade braucht, ich natürlich alles versuche. Sie entgegnet: „Davon bekommt man keine Kopfschmerzen.“ und bedankt sich. Meine letzte Nachricht an sie, unbeantwortet: „Was? Wieso Kopfschmerzen?“ Du verwirrst mich. Wird sich wohl gleich aufklären, hoffe ich.“ Ich komme am Hauptbahnhof an. Kurzerhand verlasse ich den Zug, gehe die Treppen hinunter und stehe inmitten des Geschehens. Ein Blick nach links. Ein Blick nach rechts. Ein Blick noch weiter nach rechts und gefunden. Da ist tatsächlich ein DM. Da ich sonst immer in die andere Richtung muss, ist mir dieser bisher noch nicht aufgefallen.

Ich betrete den DM und finde ziemlich schnell zwei Mitarbeiterinnen, welche gerade die Regale befüllen. Die Eine scheint ziemlich freundlich zu sein, die Andere sieht eher so aus, als hätte sie seit 275 Tagen Montag. Der Entschluss ist nicht schwer, ich gehe zur Mitarbeiterin mit dem freundlichen Gesicht. „Entschuldigung könnten Sie mir vielleicht helfen?, frage ich sie vorsichtig und sie lächelt mich an. „Natürlich, dafür bin ich hier.“ entgegnet sie mir und wartet darauf, dass ich meine Frage stelle. „Aaaalso“, beginne ich, „eine Freundin hat mich gebeten ihr“… ich gucke die Mitarbeiterin an und überlege kurz, ob ich wirklich in diese Falle tappen möchte, fahre dann aber fort „Ehm, sie hat mich gebeten, ihr ?!?Telefon – kabel – kau – gummis?!? mitzubringen. Gibt es so etwas tatsächlich hier?“ Die junge Frau guckt mich mindestens genauso verwirrt an, wie ich wohl im Zug geguckt haben muss. Ich warte nur auf ihre Frage ob ich sie verarschen möchte, aber sie scheint mich ernst zu nehmen. Ich füge daher hinzu: „Die sollen gegen Kopfschmerzen sein.“ Während ich das sage, komme ich mir so bräsig vor. Auf einmal scheint die Dame einen Geistesblitz zu haben und fragt: „Meint sie vielleicht Haargummis?“ Ich überlege kurz und hole das Handy raus. „Einen Moment bitte.“ Ich stelle das Smartphone auf laut und höre die Sprachnachricht erneut ab. „Das könnte natürlich auch sein.“ lache ich die Verkäuferin verlegen an und sie zeigt mir daraufhin Haargummis, die wie ein Telefonkabel aussehen. Alles ergibt Sinn. Ich wurde erleuchtet. „Ich bin zuversichtlich, dass sie diese meinte.“ grinse ich und die Mitarbeiterin lacht und wünscht mir noch einen schönen Tag.

Auf der Arbeit angekommen überreiche ich das wohl korrekte Objekt der Begierde und siehe da, die Frau im DM hatte recht. Diese Haargummis verursachen wohl keine Kopfschmerzen, vielleicht auch einfach weniger, im Gegensatz zu gewöhnlichen Haargummis. Wie auch immer.

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² Zur Erklärung: Schnachen ist eine Mischung aus „Schnauben“ und „Lachen“. Wie, als wenn man mit geschlossenem Mund kurz und hörbar durch die Nase schnaubt und dabei einen Ansatz vom Lachen durch die Kehle ausstößt. Ausgesprochen wird es zügig wie „Lachen“, nicht wie häufig vermutet lang wie bei „Schnarchen“.

 

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Die Spätschicht und die Bahn…

Es gibt diese Tage ….

Es ist 23:00 asdasdUhr, der Feierabend wurde eingeläutet und es beginnt die Heimreise. Der Hauptbahnhof in Düsseldorf ist nicht weit weg und so finde ich mich um 23:10 Uhr dort ein. Ich betrete die große Halle im Bahnhofsgebäude und inspiziere die Anzeigetafel.

S1 in Richtung Solingen Hbf – 23:25 Uhr – Pünktlich.

Sehr schön. Die Schwierigkeit ist nämlich, dass ich bisher nie den Anschlusszug nach Remscheid erreicht habe, sobald der Zug auch nur fünf Minuten Verspätung hatte. Die Anzeige lügt aber nicht. Jede Verspätung, auch fünf Minuten, werden hier angezeigt. Ich blöder Optimist. Als hätte ich nicht schon des Öfteren am Gleis gestanden und auf den vermeintlich pünktlichen Zug gewartet, der dann zwei Minuten nach eigentlicher Abfahrt aus heiterem Himmel ausfällt oder einfach auf sich warten lässt. Doch nicht heute. Nein. Es ist schließlich kalt und ich bin müde und das Karma ist heute mal ausnahmsweise keine blöde Kuh, sondern auf meiner Seite – hoffe ich.

23:24 Uhr – Die Anzeige am Gleis 11 zeigt keine Verspätung an.

23:25 Uhr – Der Zug sollte jetzt losfahren. Kein Zug da. Die Anzeige bleibt stur.

23:27 Uhr – „Achtung. Auf Gleis 11 fährt ein der Zug nach Solingen Hauptbahnhof“

23:28 Uhr – Von der Anzeige am Gleis erlischt der Schriftzug Solingen Hbf.

23:30 Uhr – Ich sitze endlich im Zug, der bereits vor fünf Minuten pünktlich abgefahren ist.

Nun gut. Wenn der Zug nun etwas schneller fährt, bekomme ich möglicherweise noch, mit viel Glück, meinen Anschlusszug. Ich sitze also voller Hoffnung im Abteil, als plötzlich eine Durchsage vom Schaffner ertönt. „Sehr geehrte Damen und Herren, aufgrund von vorausliegenden Bauarbeiten werden wir mit einigen Minuten Verspätung am Zielbahnhof eintreffen.“ Ernsthaft? Dämliche Bahn! Pünktlich, ja klar. Und so eine Baustelle taucht doch auch nicht aus dem Nichts auf, wie ein Reh vor dem Auto. Die verantwortlichen Honks könnten wenigstens für solche Situationen Ersatzmöglichkeiten um die Uhrzeit einplanen, damit die Leute nicht ewig dort rumstehen müssen.

Seelisch moralisch habe ich nun also noch etwa fünf Minuten Fahrtzeit, um mir zu überlegen, was ich in der Stunde mache, in der ich im McDonalds warten darf. Schreiben, Musik hören, Leute angucken und mich fragen „Warum?“, etc.. Da wird sich was finden lassen.

Der Zug fährt im Solinger Hauptbahnhof ein. Frustriert stelle ich mich an die Türe, schaue nach draußen und warte, dass der Zug hält, damit ich aussteigen kann. Während ich so in Gedanken verlorenen nach draußen schaue, taucht plötzlich ein haltender Zug auf, am Gleis gegenüber. An meinem eigentlichen Umsteige-Gleis. Moment. Hier fährt nur dieser…DAS IST MEINER!!!! WOOOOHOOOOOOOOOOOO, OH YEAH, DER ZUG HAT GEWARTET. Mein Siegesgeheul schallt durch den zum stehen kommenden Zug.

Rasch steige ich aus und schaue auf die Uhr. 23:58 Uhr. Er hätte um 23:52 Uhr fahren sollen. Träume ich? DAS habe ich noch nicht erlebt, als hätte da jemand sein Gehirn eingeschaltet und ordentlich mitgedacht bei der Planung. Überglücklich steige ich in den Zug nach Remscheid, der inzwischen sechs Minuten Verspätung hat. Nun gut, um meinen Bus nach Hause zu kriegen habe ich etwa zwei Minuten Zeit, sofern der Zug pünktlich ist. Laufe ich halt die halbe Stunde nach Hause. Immer noch besser, als die Stunde in Solingen auszuharren. Zufrieden lächelnd setze ich also meine Fahrt fort und erfreue mich an dem vielen Glück, das ich hatte.

In Remscheid angekommen schreite ich aus dem Zug und schaue auf mein Handy. Es ist 00:16 Uhr. Verdammt ist der Zug schnell gefahren. Wenn ich schnell zur Bushaltestelle laufe, dann…. tatsächlich. Sogar den Idealfall-Bus habe ich erwischt, sodass ich keinerlei Einbuße meiner Freizeit hatte.

Es gibt diese Tage, da läuft alles schief und funktioniert dennoch. „Ich liebe es!!!“ Dabei war ich gar nicht im MCes.

Abschließend möchte ich den Bahnunternehmen danken. Ein solches Wunder miterleben zu dürfen. Ich bin wahrlich gerührt und werde diese Erfahrung für immer in Ehren halten. Da es mir aber ehrlich gesagt etwas Angst macht, hoffe ich das nächste Mal darauf wieder über die Bahn maulen zu können. Alles scheiße *mimimi*

Mein erstes Mal.

Wahnsinn. Mein Gedächtnis ist nicht unbedingt zuverlässig, doch in diesem Falle erinnere ich mich so klar und detailliert, als würde es gerade wie ein Film für mich abgespielt werden.

Vor sehr langer Zeit habe ich das erste Mal davon gehört. Ich selbst konnte zu dem Zeitpunkt noch nichts damit anfangen, doch im Laufe der Zeit verändern sich die Bedürfnisse von Menschen und so wurde auch ich neugierig darauf. Langsam aber sicher manifestierte sich der Wunsch auf diese Erfahrung. Ich wollte dieses Gefühl unbedingt selbst erfahren.

Ich habe viel über die Sache gelesen und mich informiert und je mehr ich darüber gelernt habe, umso aufgeregter wurde ich. Nun ja. Was ich auch versucht habe, ich kam nicht voran. Ständige Versagensängste haben mich gehemmt und blockiert, ließen nicht zu, dass ich mich dorthin gehend weiterentwickeln kann. Es war frustrierend. Ich habe darüber gelesen, gelernt, mich nicht getraut, mich verkrochen, es nur für mich gemacht, wieder gelesen, wieder gelernt, wieder nicht getraut, wieder verkrochen, es wieder nur für mich selbst gemacht. Ich war gefangen in einem Teufelskreis und einen Ausweg daraus finden schien schier unmöglich. Morgens, wenn ich aufwachte, war es am schlimmsten. Meine Gedanken kreisten immer nur um diese eine Sache und es hörte nicht auf, solange ich es nicht in die Hand genommen habe und das machte, was endlich für ein ruhiges Gefühl sorgte und den Kopf befreite.

Selbst Freunde, Verwandte, Kollegen… Sie alle rieten mir es zu machen: „Du musst es einfach nur wollen und dann zulassen“.

Witzig. Toller Rat. Ich verzweifelte seit Ewigkeiten an dieser einen Entscheidung, war heiß darauf wie sonst was, aber die Hemmungen waren zu groß … und dann dieser Ratschlag. Schlaumeier.

Nun ja. Die Hoffnung, es endlich zu machen, schwand immer weiter. Doch eines Tages lernte ich etwas sehr wichtiges. -Besser spät als nie.- Ich lernte, dass es mir so weit am Arsch vorbei gehen kann was andere denken, denn egal wie sehr Du Dich bemühst, es wird immer Nörgler und Miesmacher geben. Von daher lebe ich seitdem für mich. Das Ganze ist noch gar nicht so lange her, doch JETZT kann ich endlich sagen: „Ich habe ES getan!“ Es war gar nicht schmutzig und es tat auch nicht weh oder so. Ich habe Übungspartner über Facebook gesucht und dann, nach etwas Übung, kurzerhand den Entschluss gefasst es einfach zu machen.

Ich bin froh, dass mein erstes Mal mit euch war. Doch in Zukunft wünsche ich mir noch viel mehr davon und entsprechend auch noch viel mehr von euch.

So einen Blog zu starten ist echt aufregend.